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Rubrik 55

01 | LICHT

GEDANKEN

Maßgeschneidertes Licht

Physiker koordinieren Forscherverbund zu photonischen Nano-Filmen.

Damit lassen sich neuartige optische Bauelemente maßschneidern und

vielfältig einsetzen

T E X T: U T E S C H Ö N F E L D E R

Ob in der Virtual-Reality-Brille, im

Head-up-Display im Auto oder als

Hologramm-Projektor – Licht und

Lichtquellen dienen heute längst nicht

mehr allein zur Beleuchtung von Räu-

men oder Apparaturen. Licht in unter-

schiedlichster Form ist vielmehr Prä-

zisionswerkzeug, Messinstrument und

Informationsträger.

Dünne Schichten mit Nano-Antennen

»Doch oft sind die optischen Systeme,

mit denen komplexe Lichtfelder erzeugt

werden, technisch sehr aufwendig, un-

handlich und teuer«, sagt Dr. Isabelle

Staude.

Das möchten die Physikerin und ihr

Team jetzt ändern: Gemeinsam mit

Kollegen des Instituts für Angewandte

Physik (IAP) der Uni Jena, der RWTH

Aachen, der Humboldt-Universität zu

Berlin und der Universität Bonn haben

sie ein Verbundprojekt gestartet. Ihr

Ziel: Licht für eine Vielzahl neuartiger

Anwendungen in maßgeschneiderte

Form zu bringen. Das Konsortium un-

ter Jenaer Federführung hat Anfang Ok-

tober seine Arbeit aufgenommen. Das

Bundesministerium für Bildung und

Forschung (BMBF) fördert das Projekt

mit dem Titel »Nano-Film – Photonische

Nano-Filme mit umfassender optischer

Funktionalität« in den kommenden drei

Jahren mit knapp zwei Millionen Euro.

»Wir setzen auf ein völlig neues Kon-

zept photonischer Bauelemente«, sagt

Projektkoordinatorin Staude, die ge-

meinsam mit Prof. Dr. Thomas Pertsch

vom IAP ein Teilprojekt bearbeitet.

Die Grundlage der neuartigen optischen

Systeme sind nanostrukturierte Filme.

Solche nur wenige Nanometer (Milli-

onstel Millimeter) dünnen Schichten

aus unterschiedlichen Materialien sind

aus unzähligen winzigen »Antennen«

aufgebaut – Nanostrukturen, die mit

lithographischen Verfahren hergestellt

werden und die komplexe Lichtfelder

mit klar definierten und vor allem maß-

geschneiderten Eigenschaften erzeugen

können. Eine Idee der Forscher ist es,

die Lichtquellen direkt in die Filme zu

integrieren und die resultierenden Ei-

genschaften aktiv modulierbar zu ma-

chen.

Mit solchen Filmen lassen sich unter-

schiedliche makroskopische optische

Systeme wie Linsen nachbauen – die

sind ebenso präzise aber um ein Vielfa-

ches leichter und flexibler.

In einem Labor des »Abbe Center of Photonics«

(ACP): Die Physikerin Dr. Isabelle Staude koordiniert

das neue Verbundprojekt.

Hochtransparente resonante Nano-Filme können

ein definiertes Eingangslichtfeld in ein komplexes

Ausgangslichtfeld mit vorgegebenen Eigenschaften

transformieren. Im Verbund soll dieses Konzept

erstmals in eine anwendbare Technologiebasis

überführt werden.