Jahresbericht 2022-2024

FORSCHUNG — 155 Abb. 2. Geländearbeiten am mongolischen Khar Nuur im Altaigebirge. Foto: Roland Zech Semi-aride Gebiete wie die Mongolei reagieren besonders sensitiv auf die Konsequenzen globaler Erwärmung und intensivierter menschlicher Aktivität. Daher ist in diesen Regionen ein besseres Verständnis vergangener Umwelt– und Landschaftsveränderungen essentiell für zukünftige Klimaprognosen. Unser von der DFG bis 2024 gefördertes Projekt verfolgte einen multi Biomarker-Ansatz, um die klimabedingte und menschlich beeinflusste Landschaftsgeschichte der Mongolei mit Hilfe von Seesedimenten zu rekonstruieren. Der Unterschied der Wasserstoffisotopie aquatischer und terrestrischer Biomarker (Δaq-terr) erwies sich als äußerst wertvoller Proxy für die Rekonstruktion der Trockenheit. Die Anwendung der Methode an drei Seen in der Mongolei zeigt i) trockenere Bedingungen während des wärmeren Mittelholozäns (sprich vor mehr als ca. 4000 Jahren), ii) erneut trockenere Bedingungen in vermutlich wärmeren Phasen des Mittelalters (vor ca. 1000 Jahren), iii) Hinweise auf den Einfluss der Sonnenaktivität auf die hydrologischen Bedingungen in der Mongolei, und iv) gewisse Unterschiede zwischen den Seen. Die Arbeiten zeigen eindrucksvoll das Potential zeitlich und räumlich hoch aufgelöster Rekonstruktionen für ein detaillierteres Verständnis des Klimasystems. Rekonstruktion der holozänen Landschafts– und Klimageschichte in der Mongolei [6] Bliedtner M, et al. (2022): Holocene Temperature Variations in Semi-Arid Central Mongolia—A Chronological and Sedimentological Perspective From a 7400-year Lake Sediment Record From the Khangai Mountains. Front. Earth Sci. DOI: 10.3389/feart.2022.910782. [7] Bliedtner, M. (2023): Mid to Late Holocene moisture evolution of semi-arid Mongolia and its anti-phase relationship with monsoonal Asia. Quaternary Science Reviews. DOI: 10.1016/ j.quascirev.2023.108201 [8] Struck, J., et al. (2022): Central Mongolian lake sediments reveal new insights on climate change and equestrian empires in the Eastern Steppes. Scientific reports. DOI: 10.1038/s41598-022-06659-w. [9] Strobel, P., et al. (2022): Precipitation and lake water evaporation recorded by terrestrial and aquatic n-alkane δ H isotopes in Lake KharNuur, Mongolia. Geochem. Geophys. Geosyst. DOI: 10.1029/2021GC010234. Der Anspruch unserer Arbeitsgruppe ist einerseits in bestimmten Bereichen an vorderster Forschungsfront mitzuwirken und Studierende zu begeistern. In Laborkursen und im Rahmen von studentischen Abschlussarbeiten etwa wird anspruchsvolle Analytik vermittelt, und in unseren Seminaren die Kompetenz zum Einwerben von Drittmitteln und zum Schreiben von Publikationen. Andererseits können Studien– und Forschungsprojekten, wie auch studentische Abschlussarbeiten, explizit inter– und transdisziplinär ausgerichtet sein. Nachhaltigkeit steht dabei sehr oft im Mittelpunkt, und die konkreten Themen reichen z. B. vom Potential erneuerbarer Energien in Thüringen zu Schwammstadtkonzepten, generell nachhaltiger Stadtentwicklung, bis hin zu nachhaltiger Landwirtschaft inklusive dem umsichtigen Einsatz von Pflanzenkohle und künstlicher Verwitterung zur Kohlenstoffsequestrierung. Dabei ergeben sich win-win-Situationen mit zahlreichen außeruniversitären Kontakten, etwa der BürgerEnergie Jena eG, der JENAGEOS GmbH, der TLUBN und dem TLLLR. Einheit von Forschung und Lehre & Forschung und Lehre zu Nachhaltigkeit Abb. 3. Laborarbeiten. Foto: Roland Zech.

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