Jahresbericht 2022-2024

FORSCHUNG — 175 Abb. 3. Die karibisch-nordamerikanische Plattengrenze in Guatemala ist die Motagua-Störung. Bei einem schweren Erdbeben im Jahr 1976 wurde hier die Oberfläche um mehr als 1 m versetzt. Foto: Christoph Grützner Die Plattengrenze zwischen der Karibischen und der Nordamerikanischen Platte verläuft quer durch Guatemala. Mehrere Erdbeben mit Magnituden >7 suchten das Land in den vergangenen 300 Jahren heim. Zuletzt verursachte ein Beben der Magnitude 7,5 im Jahr 1976 verheerende Schäden und forderte tausende Todesopfer (Abb. 3). In einem DFG-Projekt studieren wir die Plattengrenze in Aufschlüssen und Schurfen. Hierbei analysieren wir deformierte und versetzte Sedimente und datieren das Alter der von Erdbeben verursachten Strukturen. So können wir die Erdbebengeschichte der Störung rekonstruieren und die Bewegungsrate abschätzen. Dadurch verstehen wir nicht nur die regionale Tektonik, über die bislang vergleichsweise wenig bekannt ist, sondern können auch Aussagen über die seismische Gefährdung des Landes treffen. In diesem Projekt kooperieren wir mit Forscherinnen und Forschern aus Guatemala und den USA. [3] Grützner, C.: Aktive Tektonik der Karibisch-Nordamerikanischen Plattengrenze in Guatemala. DFG-Projekt, https://gepris.dfg.de/gepris/ projekt/529303576?language=de. Aktivität der Karibisch-Nordamerikanischen Plattengrenze in Guatemala Entwicklung der Dinariden und Helleniden: Von Subduktion über Kollision zur Extension eines Gebirges Die Dinariden und Helleniden auf der Balkanhalbinsel entstanden durch Kollision der Adriatischen Platte mit Europa. In einer neuen Feldstudie untersuchen wir die Subduktion der ozeanischen Kruste, die der Kontinent-Kontinent-Kollision vorausging und zeigen anhand von Ophioliten die Komplexität der Plattengrenze (Abb. 4 und [4]). Den Einfluss inaktiver, älterer Störungen als „Sollbruchstellen“ während der Gebirgsbildung erläutern wir anhand der Dinariden in einer zweiten Arbeit [5]. Diese stützt sich auf bilanzierte Profile und umfangreiche Geländedaten. Mittlerweile sind die frontalen Teile der Gebirge Extension unterworfen. In Albanien und Montenegro konnten wir das Alter aktiver Abschiebungen bestimmen und ihre Rolle im heutigen Verformungsfeld näher beleuchten [6]. Durch die Beteiligung am neu eingerichteten DFG SPP „DEFORM“ (SPP 2497) finden unsere Forschungsarbeiten in den kommenden Jahren eine Fortsetzung. [4] Richter, M., Pollok, K., Onuzi, K., Ustaszewski, K. (2025): Tectonometamorphic evolution of a subduction plate interface at the base of the Mirdita Ophiolite (Bajram Curri, northeastern Albania), Swiss Journal of Geosciences, 118:4, doi: 10.1186/s00015-024-00472-5. [5] Balling, P., Tomljenović, B., Herak, M. & Ustaszewski, K. (2023): Impact of mechanical stratigraphy on deformation style and distribution of seismicity in the central External Dinarides: a 2D forward kinematic modelling study. Swiss Journal of Geosciences, 116, doi: 10.1186/s00015-023-00437-0. [6] Biermanns, P., Schmitz, B., Mechernich, S., Weismüller, C., Onuzi, K., Ustaszewski, K., Reicherter, K. (2022): Aegean-style extensional deformation in the contractional southern Dinarides: incipient normal fault scarps in Montenegro. Solid Earth 13, 957-974, doi: 10.5194/se-13-957-2022. Abb. 4. Obduktion der Ophiolite. Grafik: Madeline Richter

RkJQdWJsaXNoZXIy OTI3Njg=